Die Osteopathie bekämpft Rückenschmerzen mit sanften Griffen – und kann mitunter Wunder bewirken. Der Physiotherapeut und Osteopath Kai Haag vom Institut für Prävention und Gesundheit in Bad Waldsee erklärt das Prinzip der „heilenden Hände“ und stellt Übungen zur Selbsthilfe vor. Rückenschmerzen sind eine wahre Tortur. Doch eine osteopathische Behandlung kann helfen, noch dazu nebenwirkungsfrei. Bei dieser ganzheitlichen Therapie werden die krankmachenden und Schmerzen auslösenden Blockierungen im Körper erspürt und durch behutsames Drücken, Ziehen, Kneten und Streichen gelöst. So lockern sich die Muskeln, werden die Nerven stimuliert und der Durchfluss in Blutgefäßen und Lymphbahnen verbessert. Dadurch bekommt der Körper seine ursprüngliche Beweglichkeit zurück. Mithilfe spezieller Handgriffe ins Bindegewebe werden zusätzlich Heilungsimpulse gesetzt. Bei Rückenschmerzen etwa kann die Ursache in völlig anderen Körperbereichen liegen. Patienten werden daher immer vollständig untersucht, um die Ursachen für die Schmerzen zu finden, diese zu beseitigen und den Körper wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Oftmals reichen dazu bereits wenige Behandlungssequenzen. Hat ein Patient chronische Beschwerden, wird der Patient bei der Korrektur seiner Bewegungsmuster unterstützt. Diese Art der „aktiven“ Schmerztherapie beugt Fehlhaltungen und Gesundheitseinschränkungen vor. Dass der Aufwand dafür lohnt, belegen Studien. Außer bei Rückenschmerzen verspricht eine osteopathische Behandlung auch bei vielen anderen Erkrankungen als Allein- oder Begleittherapie Erfolg. Das gilt insbesondere für Probleme mit inneren Organen, des Stütz- und Bewegungsapparates sowie des Rückenmarks und des Nervensystems. Die Osteopathie wird daher häufig bei Bandscheibenvorfällen, Knieschmerzen, Hüftschmerzen, verstauchten Gelenken, Verdauungsproblemen, Migräne, Blasenproblemen, Schiefhals, Zahnfehlstellungen, Skoliose, Schulter- und Nackenproblemen, Atembeschwerden, Ohrgeräuschen und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Bei schweren Infektionen wie Krebs, bei denen die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht mehr ausreichen, stößt die Osteopathie an ihre Grenzen. Babys und Kleinkinder sollten mit dieser Methode nur sehr vorsichtig und von erfahrenen Therapeuten behandelt werden. Bei der Auswahl eines Therapeuten ist darauf zu achten, dass dieser über eine fundierte osteopathische Ausbildung verfügt. Die meisten Patienten kommen zwar erst zur Behandlung, wenn die Beschwerden stärker werden – diese alternativmedizinische Methode eignet sich auch zur Prävention. …
Auszug aus: TV Gesund & Leben vom 06.08.2010
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