Wenn Kinder viel weinen oder schlecht schlafen, kann ein Besuch beim Osteopathen helfen. Mit seinen Händen löst er Spannungen und lindert Beschwerden. Für Osteopathen ähnelt der Körper einem Uhrwerk. Das große Ganze funktioniert nur, wenn alle kleinen Einheiten fehlerfrei zusammenarbeiten. Werden jedoch Bewegungsabläufe durch Verspannungen und Fehlhaltungen des Skeletts oder der Organe gestört, kann das Krankheiten verursachen. „Viele Probleme, die Eltern in den ersten Wochen Sorgen machen, haben ihre Ursache in der Geburt oder Schwangerschaft“, sagt die Hamburger Kinderärztin, Entwicklungsneurologin und Kinderosteopathin Dr. Dina Guerassimiouk. Verblüffend dabei: Oft liegt der Auslöser der Schmerzen gar nicht dort, wo sie auftreten, sondern an einer ganz anderen Stelle im Körper. So war es auch bei Timo (13 Monate) aus Augsburg. „In den ersten Monaten hat unser Baby jeden Abend bis zu zwei Stunden lang geweint“, erinnert sich sein Papa Markus Spors (39). Timos Eltern tippten auf Blähungen und gaben ihm Fencheltee, Entschäumungstropfen und Kümmelzäpfchen. Ohne Erfolg. Dann empfahlen Freunde ihnen einen Besuch beim Kinderosteopathen. Timos Vater, der als Fachkrankenpfleger in einer großen Klinik arbeitet, war ziemlich skeptisch. Und er wurde vom Erfolg der Behandlung überrascht. „Manche Eltern sind zunächst ängstlich, weil sie nicht genau wissen, was ihr Kind beim Osteopathen erwartet“, beschreibt Dr. Dina Guerassimiouk die Erfahrungen aus der Praxis. Doch die meisten Mütter und Väter erleben, wie sich ihr Kind während der manuellen Behandlung entspannt. „Timo begann kurz zu weinen und wurde dann ganz ruhig“, erinnert sich sein Papa. Andere Babys schlafen sogar ein. „Das Lösen feister Verspannungen führt zu einer verbesserten Durchblutung und Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen“, erklärt Dr. Dina Guerassimiouk. Die kleinen Patienten empfinden das als sehr erholsam – wie ein Stückchen Urlaub für ihren Körper. Für den ersten Termin sollten Eltern besonders viel Zeit einplanen, rät die Expertin. Der Osteopath verschafft sich ein Bild vom Gesundheitszustand des kleinen Patienten. Er fragt darüber hinaus nach vielen Details, auch aus der Vergangenheit: War und ist das Baby ausgeglichen? Wie gut schläft das Kind? Falls der kleinen Patient schon in ärztlicher Behandlung ist und Medikamente bekommt, muss der Osteopath das wissen. Außerdem fragt er die Eltern zum Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt – selbst wenn diese schon etwas länger zurückliegen. Bei manchen Beschwerden, z.B. Stillproblemen, kann es sein, dass der Osteopath auch zu einer Behandlung der Mutter rät. Babys können nichts von ihren Beschwerden erzählen. Je kleiner sie sind, desto schwieriger ist es, die Wurzel ihres Unwohlseins aufzuspüren. Für seine Diagnose „horcht“ der Osteopath mit seinen Händen den kleinen Körper ab. Viele Eltern haben dabei das Gefühl, es handle sich um Handauflegen. Doch der Osteopath versucht, die rhythmisch-physiologischen Bewegungen des Gewebes zu erspüren und feinste Spannungen ausfindig zu machen, Nicht umsonst üben Osteopathen während der Ausbildung, ein Haar unter den Seiten eines Telefonbuchs zu ertasten. Durch manuelle Techniken wie sachte Berührungen oder sanften Druck löst der Therapeut Blockaden und Verspannungen auf. Wie beim Uhrwerk greifen die Räder wieder ineinander und der Körper erhält Impulse, mit deren Hilfe er seine Selbstheilungskräfte entfalten kann. Kinder reagieren in der Regel sehr sensibel auf manuelle Therapien. „Ihr Körper ist noch formbar und er befindet sich in einer Phase aktiver Entwicklung. Deshalb nimmt er die manuellen Impulse besonders gut auf“, beschreibt Dr. Guerassimiouk. Einigen Kindern genügt eine einzige Behandlung, um die Beschwerden zu lindern. Andere benötigen mehrere Termine. Bei Timo, der mithilfe einer Saugglocke zur Welt kam, diagnostizierte der Osteopath eine Blockade des ersten Halswirbels. In Phasen, in denen der Kleine eigentlich zur Ruhe kommen wollte, empfand er die winzigen Verspannungen im Nacken als besonders störend, erklärte der Therapeut Timos Eltern. Kein Wunder, dass der Junge jeden Abend anhaltend weinte. Und weil Timo beim Schreien so viel Luft schluckte, litt er zusätzlich unter Blähungen. Der Osteopath renkte den Halswirbel mit zwei kleinen Bewegungen ein. „Von da an war unser Sohn wie ausgewechselt“, berichtet Markus Spors. Zu schreien begann Timo nun nur noch aus einem Grund: Wenn ihn der Hunger plagte… Der richtige Weg zum Osteopathen: In Deutschland dürfen sich Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker zum Osteopathen weiterbilden. Die Ausbildung ist bislang noch nicht einheitlich geregelt und „Osteopath“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Das heißt: Die Nennung des Begriffs auf dem Praxisschild sagt nichts über die Dauer der Ausbildung und die Qualität des Therapeuten aus. Wie finden Eltern also einen guten Osteopathen? Am besten, indem sie sich im Bekanntenkreis umhören: Vielleicht haben Freunde mit ihrem Osteopathen besonders gute Erfahrungen gemacht? Erkundigen Sie sich vorab nach der Ausbildung des Therapeuten. Sie sollte mindestens fünf Jahre gedauert haben. Kinderosteopathen sollten darüber hinaus eine besondere Ausbildung absolviert haben. Der Titel „D.O.“ (Doctor of osteopathic medicine) ist in Amerika gebräuchlich für Absolventen osteopathischer Hochschulen. In Deutschland steht „D.O.“ für Diplom-Osteopath und ist eine geschützte Marke des Verbandes der Osteopathen Deutschland e.V. …
Auszug aus: Leben & erziehen vom 07.08.2010
Um einen möglichst breiten Überblick über die Publikationen zum Thema Osteopathie zu vermitteln, stellt der VOD u. a. Auszüge aus Zeitungsberichten und anderen Medien vor. Dies geschieht unzensiert.
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