Interview: Der Freiburger Osteopath Christoph Mauder M.Sc. behandelt in der Woche etwa drei Säuglinge mit Schreiproblemen.
Baby & Co: Wie funktioniert Osteopathie?
Christoph Mauder: Osteopathie arbeitet ausschließlich manuell, also nur mit den Händen. Man sucht Bewegungsstörungen und erörtert, woher sie kommen. Osteopathen sehen immer den Gesamtzusammenhang des Körpers. Wir arbeiten mobilisierend, durchblutungsfördernd und helfen dem Körper, wieder in seine individuelle Balance zu finden.
Baby & Co: Wie kann ein Osteopath Schreibabys helfen?
Christoph Mauder: Häufig steckt ein funktionelles Geschehen dahinter, in vielen Fällen im Bereich der Schädelknochen, der Halswirbelsäule oder des Beckens. Meist handelt es sich um Verschiebungen oder Verspannungen, die durch Druckvorgänge – zum Beispiel durch den Geburtsvorgang oder die Lage in der Gebärmutter – ausgelöst wurden. Diese manifestieren sich über die Zeit, Bänder und Muskeln verspannen sich. Da kommt ein Säugling nicht von alleine raus. Er braucht eine Art Initialzündung, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn ich solche Störungen finde, kann ich sie mit sanften Techniken korrigieren. Für die Kinder ist das überaus angenehm, oft sind sie währenddessen quietschvergnügt. Auch Babys, die sonst Tag und Nacht schreien, verstummen plötzlich. Sie merken intuitiv, dass etwas geschieht, dass sie dort Hilfe bekommen, wo sie Hilfe brauchen. Wenn es sehr gut läuft, bleibt die Zufriedenheit nach dem ersten Mal, in der Regel braucht man bei Kindern aber zwei oder drei Behandlungen. Natürlich funktioniert das aber nur, wenn ein osteopathisches Problem Grund für das Schreien ist.
Baby & Co: Warum sind nur so wenige Behandlungen nötig?
Christoph Mauder: Kinder haben ein unglaubliches Reifungspotenzial, sind energetisch gut aufgeladen, ihr Gewebe ist weich und flexibel und sie haben in ihrem erst kurzen Leben wenige oder keine Traumata erlebt. Deswegen muss man nur sehr dezente Impulse setzen, ganz anders als bei Erwachsenen, wo man manchmal richtig handwerklich ran muss.
Auszug aus: Baby & Co vom 11.01. 2012
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