Seit mehr als 100 Jahren wird die Osteopathie als medizinisches Verfahren angewandt, um Funktionsstörungen zu erkennen und zu behandeln. Die manuelle Therapieform aus den USA ist dort neben der Schulmedizin voll anerkannt. In Deutschland herrscht hingegen immer noch Streit um die Osteopathie als Patientenleistung. Es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung für Osteopathen, kein gesetzlich festgelegtes Berufsbild und keine allgemeingültige Definition. Auch eine bundeseinheitliche Regelung zur Abgabe der Osteopathie fehlt. In Hessen wurde 2008 zwar eine staatliche Weiterbildungs- und Prüfungsverordnung (WPO-Osteo) erlassen, die z. B. die Weiterbildung von Physiotherapeuten in der Osteopathie regelt. Eine Behandlung ist aber nur außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung mit Verordnung des Arztes oder Heilpraktikers rechtssicher. Endgültig geklärt werden müsste also, ob es ärztliche und nicht-ärztliche Osteopathen geben soll und wie Patienten künftig Osteopathie erhalten können. Die Robert Bosch Stiftung fördert nun einen Forschungsaufenthalt in den USA, mit dem der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V. Erkenntnisse zu dieser Debatte liefern möchte.
Krankheiten erfolgreich ohne Medikamente und Chirurgie behandeln, ist der Grundgedanke in der Osteopathie und Physiotherapie. Beides sind manuelle Therapiemethoden, mit ähnlichen oder sogar gleichen Techniken und Handgriffen, z. B. der Faszientechnik bei Rückenschmerzen. Trotzdem ist es Physiotherapeuten in Deutschland noch nicht erlaubt, eigenständig Osteopathie anzubieten. Ziel des IFK ist daher eine bundeseinheitliche Regelung für Physiotherapeuten zur Abgabe der Osteopathie: „Ein wichtiger Schritt wären neue rechtliche Rahmenbedingungen für die Aus- und Weiterbildung, unter Umständen sogar die Verankerung von Osteopathie im Bereich der physiotherapeutischen Leistungen“, so IFK-Vorsitzende Ute Repschläger. „Zudem sind auch für den Bereich der Osteopathie Regelungen erforderlich, die Physiotherapeuten mehr Freiräume bei der Behandlung schaffen“, so Repschläger. Die IFK-Vorsitzende wird einen Monat lang intensiv mit Universitäten, Therapiepraxen und Entscheidungsträgern der Osteopathie und Physiotherapie in den USA sprechen.
Unter www.ifk.de wird der IFK in den nächsten Wochen ständig aktuelle Berichte aus den USA veröffentlichen. Auch ein erster Film „Osteopathie – Zukunftsthema der Physiotherapie“ ist hier zu sehen.
Auszug aus: abc-hausarzt.de vom 08.11.09
Link: www.abc-hausarzt.de:8080/ora/ausgabe.jsp;?id=229