Seit Monaten keine Musikabende mehr, keine ausgedehnten Wanderungen durch den Spessart, auch das geliebte Fahrrad musste im Keller bleiben. Den Alltag von Erich Oestreich aus Mömbris im Spessart bestimmtem ausschließlich seine quälenden Rückenschmerzen. Und das rund um die Uhr. „Dann bin ich plötzlich mehrfach mitten auf der Straße umgefallen, weil meine Beine einfach nicht mehr so wollten wie ich“, erinnert sich der 75-Jährige. „Ich, der ewig Aktive, der vorher kaum stillsitzen konnte, war plötzlich im Alltag komplett auf die Hilfe meiner Frau angewiesen. Und da waren nicht nur die Schmerzen, sondern ich wurde zunehmend depressiv, weil ich nichts mehr eigenständig unternehmen konnte. Meine Frau musste mich am Schluss sogar chauffieren und mir in die Dusche helfen. Das war kein Leben mehr!“ Die Leidensgeschichte von Erich Oestreich liegt nun fast zwei Jahre zurück. Nur ungern erinnert er sich an sein „graues Jahr“, wie er es nennt. Dass der Rücken plötzlich nicht mehr mitspielt, ist kein Einzelfall. Acht von zehn Deutschen klagen mehr als einmal in ihrem Leben über heftige Rückenschmerzen. Die Hälfte davon plagen sich mit Rückenproblemen lebenslang herum. … Opernsänger Erich Oestreich fand seinen individuellen Weg durch Mathias Hartlep aus Alzenau, Physiotherapeut mit Zusatzausbildung Osteopathie. Während alle Ärzte, ob Hausarzt, Orthopäde oder Krankenhausarzt, am Rücken herumdokterten, und dort die Lösung für die Schmerzen suchten, ging Mathias Hartlep von einem anderen Ansatz in der Diagnose aus. „Als ganzheitlich orientierter Physiotherapeut und Osteopath befrage ich den Patienten nach seiner kompletten medizinischen Vorgeschichte, nach allen Operationen und Krankheiten, nach seinem Blutbild, seinem Medikamenten-, Alkohol- und Tabakkonsum, seinem Schlafverhalten und seinen Eßgewohnheiten. Auch Fragen nach Stress-Situationen, Ängsten und belastenden Familienthemen sind für mein erstes Patientengespräch sehr wichtig“, so der Alzenauer Therapeut. Danach folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Schnell erfuhr er auf diesem Weg, dass der 75-jährige Patient kürzlich zwei schwierige Darm-Operationen hinter sich gebracht hatte. Ein mitgebrachtes Röntgenbild (zwei MRT-Untersuchungen vom Rücken wurden bereits im Krankenhaus gemacht) zeigte einen früheren Bandscheibenvorfall und Degenerationserscheinungen der Wirbelsäule. „Da Narbengewebe immer Störfelder bilden und damit Nerven- und Muskelbahnen in Mitleidenschaft ziehen, da dem Patienten noch nicht einmal starke Schmerzmittel und Infusionen für den Rücken geholfen hatten, schaute ich auch einmal in die andere Richtung“, sagt Mathias Hartlep. Mit seinen Massage-, Dehn- und Drucktechniken begann er das Gewebe des Bauchraums zu lockern. Durch den sanften Fingerdruck fiel ihm auch eine massive Störung des Zwerchfells auf. „Einem Sänger musste ich nichts vom Zwerchfell, seiner Lage im Körper, seiner Funktion für die Atmungsorgane und letztendlich auch seiner Auswirkung auf den Rücken erklären“, so der Therapeut. Grundsätzlich, betont Hartlep, stehe immer eine exakte Aufklärung des Patienten über die Körperfunktionen mit Hilfe von Büchern und Anschauungsmaterial am Beginn der Therapie. Der Aspekt der Eigenverantwortlichkeit („Find it, fix it, then leave it alone“ –„Finde es, richte es, dann lass’ es alleine“) ist essentiell für die Arbeit des Therapeuten und die spätere Genesung des Patienten. Diesen Gedanken hat der Physiotherapeut, der eine siebenjährige Zusatzausbildung als Osteopath absolviert hat, an die Wand seiner Praxis, die mitten in den Weinbergen von Alzenau-Hörstein liegt, geschrieben. Der Gedanke ist zu seinem medizinischen Credo geworden. Zu seinen Therapievorschlägen für den Opernsänger Erich Ostreich gehörten auch eine gesunde Ernährung (wenig Fleisch, zwei- bis dreimal in der Woche gedünsteten Fisch, viel Gemüse, Salat und Obst) und vor allem auch Übungen für zu Hause, die kontinuierlich gemacht werden sollten. Spezielle Muskeln, die den Bewegungsapparat halten, wurden trainiert, andere musste der Patient entlasten. Fehlhaltungen hat der Therapeut korrigiert, Nervenbahnen durch gezielte und wiederholte Bewegungsübungen angeregt. Leichte Spaziergänge und Entspannungsübungen als Hausaufgabe ergänzten das Therapieprogramm. Nach fünf Sitzungen, in denen der Alzenauer Therapeut die mit den Händen ertasteten Gewebeblockaden gelöst hat, konnte Erich Oestreich wieder aufrecht gehen, ohne fremde Hilfe in die Dusche einsteigen und allein Autofahren. Nach zehn Sitzungen empfand er keine Schmerzen mehr. Glücklich registrierte dies der ehemalige erste Tenor des Frankfurter Opernchors, der schon mit Placido Domingo, José Carreras und Luciano Pavarotti Musik gemacht hat …: „Vor den Behandlungen konnte ich keine zehn Meter mehr gehen, und das noch gestützt und mit gebeugtem Rücken. Ich konnte nicht mehr singen, keinen Gesangsunterricht mehr geben, vor allem durch die Schmerzmittel, die mir die Ärzte verschrieben hatten. Nach der Behandlung konnte ich wieder Autofahren, meine Spaziergänge durch den Spessart wieder aufnehmen und endlich auch mein neues Dialekt-Buch mit eigenen Gedichten schreiben.“ An die Tipps für den Alltag, die ihm Mathias Hartlep in der Zeit der Schmerzen als Hausaufgaben gegeben hat, hält er sich noch immer. Ab und an war er auch in der Zeit nach seinem „grauen Jahr“ mal wieder in der Praxis. „Wenn es irgendwo zwickt, dann bin ich sofort in der Praxis Hartlep.“ Vor seiner Leidensgeschichte hatte Erich Oestreich noch nie etwas von osteopathischer Medizin gehört. Seine Hausärztin gab ihm den Tipp. Heute ist er davon überzeugt, dass vor allem die ganzheitliche Untersuchung, die richtige Diagnose und die anschließende Therapie aus physiotherapeutischen Maßnahmen, den Handgriffen aus der Osteopathie und den Körperübungen für zu Hause den Therapieerfolg in seinem Fall bewirkt haben. …
Auszug aus: Gesundheit (Main Echo) vom 28.04.2010