Die Osteopathie hat einen ganzheitlichen Ansatz und nutzt die Selbstheilungskräfte des Körpers. Die Osteopathie zählt zu den manuellen Therapiemethoden, die häufig bei Rückenschmerzen angewendet werden. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutete „Knochenerkrankung“. Osteopathen befassen sich aber nicht nur mit gesundheitlichen Problemen des Skelettsystems, sondern verstehen ihre Therapie als ganzheitlichen Ansatz, der den gesamten Menschen im Blick hat: Körper, Geist und Seele. Dabei gehen sie von vier Grundprinzipien aus:
1. Der Mensch ist eine Einheit. Alle Teile des Körpers, der Geist und die Seele sind miteinander verbunden und stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Es gibt eine Lebensenergie, die durch den gesamten Körper strömt.
2. Struktur und Funktion beeinflussen sich gegenseitig. Fehlhaltungen etwa können allmählich zu anatomischen Veränderungen führen, Verletzungen oder Narben die Funktion von Gewebe einschränken.
3. Der Körper kann sich selbst regulieren und heilen. Im Idealfall arbeiten alle Teile des Organismus harmonisch zusammen, das Immunsystem wehrt Krankheiten ab. Verletzungen heilen wieder, und irreparable Schäden werden kompensiert. Im gesunden Menschen sind alle Vorgänge in einem Gleichgewicht. Das nennt man Homöostase. Ist dieses gestört, kann es zu Beschwerden und Krankheiten kommen.
4. Eine gesunde Durchblutung sichert die Funktion des Körpers und seiner Gewebe. Ist sie gestört, sind Schäden möglich. Behandlungen regen den gesunden Blutfluss an und beseitigen Blockaden.
Bei einer osteopathischen Behandlung steht der Patient im Mittelpunkt und nicht die Krankheit. Ein Osteopath hat den gesamten Organismus im Blick, benutzt und mobilisiert die Selbstheilungskräfte des Körpers und verbessert durch das manuelle Behandeln einer Körperstruktur seine Funktion. Hintergrund ist ein spezielles Verständnis von Krankheit.
Im Organismus herrscht ständig Bewegung: das Herz schlägt, Blut und Lymphe zirkulieren, über die Nerven schwirren Signale durch den Körper, Wellenbewegungen von Magen und Darm helfen bei der Verdauung. Wird dieser Bewegungsfluss an irgendeiner Stelle behindert – etwa durch äußere Einflüsse, Verletzungen oder Entzündungen – kommt es zu Schmerzen und Krankheiten. Die Osteopathie versucht, Bewegungseinschränkungen und -blockaden aufzuspüren und zu beseitigen. Eine Heilung bewirkt der Therapeut dabei nicht direkt, sondern indem er die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt. Dabei setzt der Osteopath allein seine Hände ein, Medikamente und medizinische Instrumente oder Apparate werden nicht verwendet.
Auszug aus: Süddeutsche Zeitung Erding vom 08.06.2010