Schmerzfrei ohne Schmerzmittel – zu schön, um wahr zu sein? Nein, sagt der Osteopath Dr. Klaus Michler vom Deutschen Orthopädie Netzwerk (DON). …
Die Schmerzen in Angelika Grabows Hüfte kamen plötzlich. Nachts wusste die 44-Jährige nicht, wie sie liegen sollte. Tagsüber quälte sie sich beim Laufen. Salben und Tabletten halfen nicht. Eine Bekannte empfahl ihr einen Besuch bei Dr. Klaus Michler, Orthopäde und Osteopath aus Moers.
Wie funktioniert Osteopathie?
Osteopathie will die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Das tut der Osteopath mit seinen Händen: Zunächst werden Verhärtungen, Stauungen, Bewegungseinschränkungen, Verklebungen, Überwärmung, Fehlstellungen, Unregelmäßigkeiten und andere unerwünschte Veränderungen ertastet und erfühlt.
Erfühlen und Ertasten – das klingt irgendwie nicht nach Medizin…
Oh doch! Grundvoraussetzung für jeden guten Osteopathen ist die genaue Kenntnis der Anatomie und aller menschlichen Strukturen, angefangen bei Knochen und Muskeln über die Muskelhüllen (Faszien) bis hin zu Organen, dem Gefäß-, Lymph- und Nervensystem. Außerdem sollte vor der Behandlung eine schulmedizinische Diagnostik anhand von Röntgen, Kernspin etc. erfolgen – schon um strukturelle Veränderungen wie z.B. einen Bandscheibenvorfall auszuschließen.
Und dann?
Nach einer ausführlichen Untersuchung und Befragung versucht der Osteopath durch unterschiedliche Techniken, die aufgespürten Auffälligkeiten zu beseitigen. Dazu gehört gezielter Zug, sanfter Druck, vorsichtiges Verschieben von Haut und Unterhaut, Manipulationen im Sinne eines Einrenkens sowie Mobilisation von Gelenken. Dabei werden nicht nur die betroffenen Regionen behandelt, sondern auch damit verbundene, weiter entfernte Strukturen. Ziel ist es, alles wieder in Fluss zu bringen: Muskelverspannungen, Gelenkblockaden und Lymphstaus lösen sich nach und nach auf.
Wogegen kann eine osteopathische Behandlung helfen?
Ich als Orthopäde behandle vor allem Beschwerden am Bewegungsapparat: Schulter- und Nackenschmerzen, Rückenbeschwerden, Gelenkschmerzen und hartnäckige, schmerzhafte Muskelverspannungen. Aber auch Spannungskopfschmerzen, Probleme mit den Kiefergelenken, Schlafstörungen oder ein Tinnitus kann mit Osteopathie erfolgreich behandelt werden.
Gibt es Personen, die nicht behandelt werden können oder sollten?
Nein. Die Methode ist so sanft, dass sogar Babys (Schreikinder) behandelt werden können. Wo liegen die Grenzen dieser Therapie? Notfälle und akute Verletzungen gehören zum Notarzt, nicht zum Osteopathen. Auch bei strukturellen Schäden sowie Entzündungen ist die Osteopathie machtlos. Und was kostet die Behandlung? Die erste, rund einstündige Sitzung kostet etwa 120 Euro. Jede weitere Behandlung dauert ungefähr eine halbe Stunde und kostet circa 60 Euro. Bei akuten Beschwerden sollten Sie mit vier bis sechs Behandlungen im wöchentlichen Abstand rechnen. Bei chronischen Schmerzen mit sechs bis zehn. Die Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen können dabei nach und nach verlängert werden. Die gesetzlichen Kassen zahlen osteopathische Behandlungen leider nicht, private in der Regel schon.
Auszug aus. Das Neue Blatt vom 22.06.2010