Hoyerswerda Etwas schüchtern blickt der vierjährige Arne auf das Plastik-Modell einer Wirbelsäule. "Schau, da ist das Becken" sagt Ronny Bergau und Arne nickt. "Wie beim Saurier" findet der Junge. Dann legt er sich auf die Pritsche und Ronny Bergau beginnt mit der Behandlung.
Osteopath Ronny Bergau hat in der vorigen Woche seine eigene Praxis in der Langen Straße eröffnet. Der 38-Jährige behandelt gern und häufig die Beschwerden von Kindern.
Der 38-jährige Hoyerswerdaer ist Osteopath, war bislang neben einer Lehrtätigkeit am Institut für angewandte Osteopathie vor allem für die Hoy-Reha tätig. Vorige Woche hat er in der Langen Straße seine eigene Praxis eröffnet. „stillpoint“ steht auf den gläsernen Schildern am Haus, darunter die Worte: „Osteopathie, Kinderosteopathie, Physiotherapie“.
Der Praxisname hat nichts mit Andrew Taylor Still zu tun, obwohl sich in einem der beiden Behandlungszimmer ein Bild von jenem US-Amerikaner findet, der die Osteopathie vor mehr als einem Jahrhundert begründete. Bergau meint das „stillpoint“ wortwörtlich: Ruhepunkt verweist darauf, dass die Gewebe zur Ruhe kommen sollen. Es ist leicht zu sagen, worum es Osteopathen allgemein geht, ums Heilen nämlich. Was sie aber genau machen, ist hingegen nicht ganz so einfach zu erklären. „Es gibt nur wenige Leute, die wissen, was Osteopathie ist“, sagt Ronny Bergau.
Er arbeitet ganz gern mit Gleichnissen, um sein berufliches Tun zu erläutern. „Muskeln und Skelett sind Deine Karosserie, das Verdauungssystem ist das Kraftwerk, Gehirn sowie Nerven sind die Steuerung und dabei gibt es Schnittstellen“, sagt er dann zum Beispiel. Osteopathen würden schlicht versuchen, der Ursache-Folge-Kette auf den Grund zu gehen, also wenn möglich die Ursache einer Krankheit zu beseitigen. Ronny Bergau hat nach seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten fünf Jahre lang berufsbegleitend das Wissen für seine Tätigkeit erworben. Über seine eigene Praxis sagt er nun: „Das ist ein Meilenstein. Man weiß, man hat etwas geschafft und etwas geschaffen.“ Der Osteopath passt ganz gut ausgerechnet in die Handwerkergasse. Schließlich arbeiten Vertreter seiner Zunft in der Regel nur mit ihren Händen und ohne Instrumente. Ronny Bergau hat eine Weile gesucht, bis er in der Langen Straße fündig wurde und sich in die Räume des früheren Bettenfachgeschäftes Schuster einmietete. Hier liegt nun also der kleine Arne und ist unter den Händen des Osteopathen eingeschlummert. Ronny Bergau sagt, zwischen einem Drittel und der Hälfte seiner Patienten seien Kinder: „Das ist ein Faible von mir.“ Eine Freundin habe eines Tages um Rat gesucht, weil ihr Baby ständig geschrien habe. Schnell sei klar gewesen, dass er zu Kindern einen guten Draht habe. Nun bietet der Osteopath also Hilfe unter anderem bei Stillproblemen, Schlafstörungen oder Wachstumsverzögerungen an. „Jede Störung hat eine Ursache. Nur ein Symptom zu behandeln, hilft nicht weiter“, ist Ronny Bergau überzeugt. …
Auszug aus: LR online vom 06.04.2011