Es klingt verrückt – aber das Heilen durch Berührungen kann Wunder wirken. Alexandra (38) und ihr Sohn haben es erlebt.
Wer den kleinen Kerl heute fröhlich über die Wiesen an der Hamburger Alster rennen sieht, würde nicht glauben, dass er zu Beginn seines Lebens schwer krank war und seine Chancen nicht gut standen. Als extremes Frühchen in der 24. Woche geboren, brachte Ferdinand gerade mal 740 Gramm auf die Waage, eine winzige Handvoll Mensch. Mama Alexandra. "Er hatte einen Darmbruch, wurde dreimal operiert, hatte zwischenzeitlich einen künstlichen Darmausgang.
Dann Probleme mit der Lunge, 35 Tage lang wurde er intubiert. Wir wussten nicht, was wird." Nach fast fünf Monaten in der Klinik, Ferdinand war gerade entlassen, ging Alexandra mit ihm zu ihrem Osteopathen Dr. Kilian Dräger. Sie ist schon lange von der Sache überzeugt und hat sich auch in der Schwangerschaft vorbeugend behandeln lassen. Nachdem der Klinikstress vorbei war, blieben dem Baby große Narben quer über den Bauch von den Darm-OPs, durch die Frühgeburt verkrampfte Füßchen, eine komplette Asymmetrie des Kopfes, keine Körperspannung. "Das ganze Kind war in einer Extremsituation, wochenlang hatte er Antibiotika bekommen." Doch die Behandlung beim Osteopathen hilft.
Anfangs sind die beiden all sechs Wochen bei Dr. Dräger, inzwischen noch alle drei Monate. "Für die Zeit dazwischen haben wir Hausaufgaben bekommen. Wie Zehen massieren. Denn die sind mit dem zentralen Nervensystem verbunden." Auch Mutter Alexandra profitiert von der Behandlung. "Ich habe meine beiden Kinder, sie sind nur 18 Monate auseinander, sehr einseitig auf der Hüfte getragen, ich hatte Rückenprobleme bis runter zum Knie, ich war ganz verschoben. Das war bald wieder in Ordnung." Auch mit Ferdinand ist alles wieder gut. "Jetzt sind wir bei der Feinarbeit. Ich wüsste nicht, wo wir heute stehen würden, wenn wir die Osteopathie nicht hätten. Ferdinand ist das lebende Beispiel dafür, dass es funktioniert!"
MARGOT DANKWERTH
So funktioniert Osteopathie: Sechs Fragen an den Experten
Dr. Kilian Dräger (45) ist Gründer des Osteopathikums in Hamburg und einer der Pioniere unter Deutschlands Osteopathen
1. Wem können Sie helfen?
Wir behandeln Patienten mit Beschwerden in den unterschiedlichsten Bereichen, wie sie in einer allgemeinmedizinischen Praxis vorkommen. Dort klagen 70 Prozent der Patienten über Beschwerden am Bewegungsapparat. Das ist auch bei uns oft der Fall.
2. Was unterscheidet Sie von einem Orthopäden?
Wir untersuchen Bewegungseinschränkungen mit den Händen und finden dabei Zusammenhänge im ganzen Körper, die wir dann ursächlich behandeln. Das Zusammenspiel von Bewegungsapparat, Durchblutung, Nervensignalen oder beispielsweise der Verdauung, kann der Osteopath als Bewegungen im Körper wahrnehmen, die eingeschränkt sein können. Diese Bewegungen sind im Körper physiologisch ständig vorhanden. Unser Arbeitsfeld ist fachübergreifend. Grenzen liegen darin, dass ein Vorgang noch regulierbar sein muss. Wenn etwas gebrochen oder kaputt ist, kann es sich nicht mehr selbst regulieren. Dann ist der Chirurg gefragt, oder man überweist zum Internisten.
3. Wie können Sie Einschränkungen im Körperinneren erreichen?
Das geht gut, weil im Körper alle Zellen durch das Bindegewebe verbunden sind.
4. Wie sieht das praktisch aus?
Man kann viel durch manuelle Tests rausfinden. Und dann geht man mit einem an die Körperstrukturen angepassten Handkontakt daran, dass die Bewegung wieder selbstständig stattfinden kann. In unserem Körper ist ja ganz viel los, selbst wenn wir stillliegen. Wenn wir abends mit einer Erkältung ins Bett gehen und morgens gesund aufwachen, dann haben wir nachts auch ganz viel gearbeitet. Diese Arbeit bringen wir ins richtige Lot. Wir schieben die Selbstheilungskräfte an.
5. Funktioniert das auch bei Kindern?
Ja, sogar besonders gut. Wir behandeln unter anderem Babys und Kinder mit Symmetriestörungen, Schreibabys, Kinder mit Bauchschmerzen, wiederkehrenden Infekten, Entwicklungsverzögerungen und auch Frühchen. Bei Schulkindern geht es oft um Kopfschmerzen, Fehlhaltungen oder Konzentrationsstörungen.
6. Zahlt die Kasse die Behandlungen?
Privatkassen meist ja.
Auszug aus: Bild der Frau vom 06.05.2011