Potsdam (dpa/bb) - Mit ihrem ersten gemeinsamen Kongress in Potsdam wollen Mediziner und Osteopathen die Bedeutung einer Zusammenarbeit unterstreichen. "Die Osteopathie hat ihren Stellenwert innerhalb des Medizinsystems", betonte Marina Fuhrmann, Vorsitzende des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD), am Donnerstag zum Auftakt des viertägigen Kongresses mit etwa 500 Teilnehmern. Die Schulmedizin öffne sich zunehmend der Methode, die nur mit den Händen praktiziert wird und auf Medikamente verzichtet. Laut Verband gibt es inzwischen bundesweit etwa 3000 rein osteopathische Praxen.
"wir erweitern und ergänzen das Spektrum der modernen Medizin", betonte Armin Geilgens, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ostheopathische Medizin (DGOM). Dies werde zunehmend - vor allem von
jüngeren Kollegen - in der Ärzteschaft wahrgenommen. Eine Anerkennung als eigenständiger Beruf fehlt jedoch ebenso wie eine staatliche Regelung der Ausbildung. Zum Vergleich: In den USA praktizieren etwa 54 000 Ostheopathen ihren eigenständigen Beruf. In England ist der Beruf laut Verband seit 1993 rechtlich anerkannt.
In Deutschland dürfen sich dagegen bislang nur Ärzte oder Heilpraktiker nach einer entsprechenden Fortbildung als Osteopath bezeichnen. Physiotherapeuten dagegen, die die ganzheitliche Methode aus Amerika ebenfalls beherrschen, ist dies verwehrt.
Durch das zunehmend große Interesse der Patienten, hinter denen oft eine Odyssee bei den Schulmedizinern liegt, sieht sich der Verband bestätigt. Zum Wintersemester 2011/12 gibt es erstmals in Deutschland einen Bachelor-Studiengang Osteopathie. Er wird in Hessen an der Hochschule Fresenius in Idstein bei Wiesbaden angeboten.
Nach Angaben des Verbandes wächst auch das Interesse der Krankenkassen an der Behandlungsmethode, die beispielsweise bei Rücken- und Schulterschmerzen, chronischem Schnupfen oder Darmbeschwerden auf Erfolge verweisen kann. Die Kassen verspürten einen zunehmenden Druck, auf die Entwicklung zu reagieren. Eine Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen lehnen die Osteopathen jedoch ab.
"Unsere Behandlung braucht Zeit. Sie lässt sich schlecht in dieses Schema pressen", erklärte Geilgens. "Es wäre ein Verfall der Leistung zu befürchten." Nach Angaben der Verbände liegen die Kosten für eine Behandlung (50 bis 60 Minuten) je nach Region zwischen 80 bis 120 Euro.
Auszug aus: dpa vom 29.09.2011