Die Osteopathie spürt Funktionsstörungen im Körper auf und kann sie beseitigen. Das Instrument dafür: die Hände des Therapeuten. Wenn der Hausarzt oder Orthopäde nicht mehr weiter weiß, kann die Osteopathie oft helfen: Besonders bei Rückenschmerzen oder anderen Leiden des Bewegungsapparats, bei Kopfweh und Verdauungsbeschwerden ist die Methode sehr erfolgreich.
Osteopathen tasten sich mit den Händen zuden Problemen unseres Körpers vor. Was sich für den Patienten wie Handauflegen oder eine sanfte Massage anfühlt, eröffnet dem Therapeuten die Ursache von Schmerzen: Er ertastet Spannungen im Gewebe, den Muskeln, Gelenken und Organen. Hat er Stellen mit eingeschränkter Beweglichkeit gefunden, lockert er diese, um die natürliche Bewegungsfreiheit wieder herzustellen. Denn die Osteopathie geht davon aus, dass sich Beschwerden breit machen, wo Bewegung verhindert wird.
Den Menschen im Ganzen sehen
Die Osteopathie sieht Gelenke, Muskeln und Organe nicht isoliert, sondern als großes Ganzes: Alles ist feinstens aufeinander abgestimmt, ähnlich einem Uhrwerk, wo Federn, Rädchen und Schrauben ineinander greifen und das Ganze nur in diesem Zusammenspiel
einwandfrei funktionieren kann. Funktionsstörungen wie etwa eine tröpfelnde Blase können durch Probleme an ganz anderen Stellen des Körpers verursacht sein. Um bei der Blase zu bleiben zum Beispiel deshalb, weil ein gestauchtes Kreuzbein diejenigen Nerven reizt, die die Blasenentleerung steuern. Deshalb versuchen Osteopathen jedes gesundheitliche Problemimmer ganzheitlich anzugehen. Vor der ersten Behandlung steht immer ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten an, in dem die gesamte Krankengeschichte geklärt wird. Erst danach folgt die Untersuchung mit den Händen, bei der ein geübter Osteopath selbst die kleinste Bewegungseinschränkung im Körper fühlen und interpretieren kann. Auf diese Weise arbeitet er sich von den Symptomen zu den Ursachen vor.
Eine osteopathische Behandlung dauert durchschnittlich 50 Minuten. Dabei lockert der Osteopath Bewegungseinschränkungen mit sanftem Druck. Das kann mal ordentlich knacken oder hin und wieder auch weh tun - etwa wenn Gewebe entzündet sind und spezielle Bindegewebstechniken oder Bauchgriffe zum Einsatz kommen. Der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen lang auf eine osteopathische Behandlung reagieren, so dass eine erneute Behandlung meist erst nach dieser Zeit sinnvoll ist. Nach vier Terminen sollte eine deutliche Besserung der Beschwerden erzielt worden sein. Ist dem nicht so, ist Osteopathie nicht das richtige Mittel. Osteopathie löst Funktionsstörungen, behandelt so meist vorbeugend. Doch auch bei vielen Krankheiten hat sie sich bewährt: Beschwerden rund um den Bewegungsapparat können per Therapeutenhand meist geheilt werden. Auch bei Verwachsungen, funktionellen Herzbeschwerden, Migräne, allerlei chronischen Entzündungen, Kiefer-, Verdauungs-, Menstruations- und Wechseljahresproblemen kann sie helfen. Nicht zu verachten sind die heilenden Hände in der Schwangerschaft sowie bei Kindern mit Entwicklungsstörungen. Die Grenzen der Osteopathie liegen dort, wo die Selbstheilungskräfte den Körper nicht mehr gesunden
lassen. Schwere, akute Erkrankungen müssen immer erst schulmedizinisch behandelt werden! Seriöse Osteopathen kennen Ihre Grenzen. Adressen findet man beim Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (www.osteopathie.de).
Ursprung der Osteopathie
Vor über 130 Jahren entdeckte der amerikanische Arzt Andrew Taylor Stili (1828-1917, Bild) die Prinzipien der Osteopathie. Erst in den 1950er-Jahren kam sie durch vereinzelte Heilpraktiker, die sie im Ausland erlernt hatten, langsam nach Deutschland. Die eigentliche Verbreitung begann hierzulande erst Ende der 1980er-Jahre. Heute gilt Osteopathie als Medizin und darf daher nur von Ärzten und Heilpraktikern oder Im sogenannten Delegationsverfahren (auf Anweisung eines Arztes) ausgeübt werden.
Auszug aus: Die aktuelle vom 31.12.2011