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Messeberichte


29.05.2009

Hauptstadtkongress



VOD mit Stand und Vortrag auf Hauptstadtkongress vertreten


Das Interesse an der Osteopathie wächst stetig. Dieser Eindruck bestätigte sich am Informationsstand des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V., der bereits im dritten Jahr auf dem Hauptstadtkongress im Berliner ICC vertreten war. Therapeuten beantworteten am letzten Maiwochenende die Fragen der Besucher über die Therapieform und ihre Behandlungsmöglichkeiten und VOD-Vorsitzende Marina Fuhrmann referierte vor gut gefüllten Stuhlreihen über „Osteopathie und evidenzbasierte Medizin“.

Die Teilnehmerzahlen des Vorjahres wurden sogar noch übertroffen: 7870 Akteure des Gesundheitswesens diskutierten auf dem Hauptstadtkongress drei Tage lang über die wichtigen Themen der Branche. Es hat sich gezeigt, dass der Kongress auch in Zeiten der Krise das bedeutendste Treffen der Gesundheitsbranche bleibt. Rund 500 Referenten haben in den drei Fachkongressen, im Hauptstadtforum Gesundheitspolitik mit dem Forum der Versicherungen sowie dem EU- und dem USA-Forum über neueste Trends in der Gesundheitsbranche informiert und darüber diskutiert.

„Es ist eine gute Gelegenheit, als Therapeut den Verband bei der Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen einer solchen Veranstaltung zu unterstützen“, unterstrich VOD-Mitglied und Osteopathin Annika Krebs, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Friederike Kaiser und Rita Wilken Fachfragen der Besucher beantwortete. „Es ist spannend, hier auf andere Weise mit Osteopathie beschäftigt zu sein. Die Besucher interessieren sich für Osteopathie, haben mal etwas darüber gehört und fragen hier genauer nach“, so Friederike Kaiser. Für Osteopathin Rita Wilken war der Austausch mit Personen aus anderen medizinischen Bereichen besonders lohnenswert.

Besucherin Suza-Viola Pöhland-Block zeigte sich begeistert von der Präsenz der Osteopathen: „Osteopathie hat mir schon immer am Herzen gelegen, sie hat mich auf meinen Reisen begleitet. Ich bin dankbar, dass sie sich hier in Deutschland weiter nach vorne entwickelt hat.“ Aus „Freude darüber“ sei sie zum Hauptstadtkongress gekommen.

VOD-Vorsitzende Marina Fuhrmann widmete ihren Vortrag vor Laien und Medizinern dem Thema „Osteopathie und evidenzbasierte Medizin. Die Entwicklung der Osteopathie in Deutschland. Ist sie ins deutsche Gesundheitswesen integrierbar?“
Gerade für Mediziner, die von ihren Patienten um Rat gefragt werden, ist es wichtig zu wissen, wie die Osteopathie funktioniert, was sie leisten kann und woran man einen qualifizierten Osteopathen erkennt. Marina Fuhrmann definierte die Osteopathie als eine empirisch begründete Behandlungsmethode, bei der durch subtilen palpatorischen Einfluss auf das Gewebe, sowohl arteriell venöser und lymphatische Fluss als auch der Stoffwechsel angeregt werden soll. Dadurch können Funktionsstörungen oder -einschränkungen verschiedenster Art und prinzipiell aller Organe direkt oder indirekt verbessert werden. So verführerisch und medienwirksam, vielleicht auch werbewirksam, Begriffe wie sanfte Medizin oder die Kunst der sanften Hände auch klingen mögen, verdeckten sie, dass es um präzise und methodisch-theoretische, also um präzise Arbeit geht, die auf einer profunden und langwierigen Ausbildung, sowie einer komplexen Theorie beruht. „Es geht um eine anspruchsvolle Kombination von Wissen, Theorie, Intuition und einer ausgefeilten manuellen Technik“, erklärte die VOD-Vorsitzende dem interessierten Publikum.

Die osteopathische Therapie sei eine Synthese aus drei Prinzipien: aus der Körper-Geist-Seele-Einheit, der Aktivierung der Selbstheilungskräfte und der untrennbaren Beziehung zwischen Gewebeform und Gewebefunktion.

Die Wirkung der Osteopathie beruhe auf dem Abbau von Barrieren, dem Setzen von Energieimpulsen und der Regulierung von Flüssigkeitsströmen im Körper mit dem therapeutischen Ziel, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu mobilisieren.
Problematisch sei die Tatsache, so Marina Fuhrmann, dass „Osteopathie“ kein geschützter Begriff ist. „Deswegen können im Prinzip die verschiedensten therapeutischen Richtungen und medizinischen Gedankenmodelle als „osteopathisch“ bezeichnet werden.“ Die Ausnahme bildet das Bundesland Hessen, in dem seit November 2008 die erste staatlich geschützte Weiterbildungsbezeichnung als Osteopath existiert.

Marina Fuhrmann stellte die Anwendungsbereiche der Osteopathie im Bereich Prävention am Musterbeispiel „Osteopathie bei Kleinkindern“ vor. Sehr erfolgreich sei bereits eine osteopathische Assistenz in Schwangerschaft und im Geburtsprozess. „Daher ist die zunehmende Integration in der Entbindungspflege und eine steigende Kooperationspraxis Hebamme-Osteopath nachvollziehbar, ausbaufähig und im Sinne einer integrativen Versorgung sehr wünschenswert“, so die Wiesbadener Osteopathin. Weil Kinder heute größer und schwerer sind als vor 20 Jahren, kommt es bereits in der Schlussphase der Schwangerschaft zu Fehlstellungen und zu Halswirbelsäulen-Blockaden, die in der frühkindlichen Phase erfolgreich osteopathisch behandelt werden, z.B. das KISS-Syndrom. Neueste Studien zeigen, so Marina Fuhrmann, dass diese Fehlstellungen bereits vorgeburtlich im Mutterleib osteopathisch behandelt werden können. Und: Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass das ADS-Syndrom auch in unmittelbarem Zusammenhang mit Hals-Wirbelsäulenblockaden stehen und damit osteopathisch chancenreich behandelt werden kann. Im Bereich Pädiatrie zeigt eine Frankfurter Habilitation (Dr. Heike Philippi, Ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums, Frankfurt Mitte am Clementine Kinderkrankenhaus) die evidente und vor allem nachhaltige Wirksamkeit osteopathischer Behandlung der Säuglingsasymmetrie. Auch bei Fehlhaltungen der Wirbelsäule, Skoliose, Fehlstellungen der Beine oder Füße, Schiefhals (Kiss-Syndrom) und Verdrehungen des Rumpfes wird Osteopathie angewandt.

Im Bereich Rehabilitation gewinnt die Osteopathie im Bereich der schmerztherapeutischen Begleitung zunehmend an Bedeutung. Was nicht weiter verwundern könne, so Marina Fuhrmann, da zahlreiche chronische Schmerzzustände Folge von Verspannungen und Blockaden des Bewegungsapparates sind oder da sich gesundheitsabträgliche Belastungen in Schmerzzustände des Bewegungsapparates transformieren: „Der Osteopathie kommt in diesem Bereich die Klarheit ihres systemischen Ansatzes zugute, weil sie eine breitere diagnostisch-anamnestische Herangehensweise praktiziert und Schmerz nicht primär lokal therapiert, sondern komplex-systemisch denkt und handelt.“ Gerade bei chronischen Schmerzpatienten könne sie nicht nur schonend (Stichwort: sanfte Hände), sondern auch weitestgehend nebenwirkungsfrei arbeiten, was sowohl ökonomisch als auch im Blick auf Zusatzschäden von erheblichem Belang ist.

Bei der Suche nach evidenz-basierten Arbeiten in der Osteopathie nannte Marina Fuhrmann folgende Namen:


  • The Osteopathic Research Center, University of North Texas Health Science Center-Texas College of Osteopathic Medicine, USA

  • Forscht seit Jahren mit den Wissenschaftlern J.C Liccardone und H.H. King

  • Es bestehen derzeit viele RCT‘s im englischen Sprachraum und können über die Suchmaschine Pubmed eingesehen werden

  • Die momentan laufende Langzeitstudie forscht unter z.B.

  • METHODS: The OSTEOPAThic Health outcomes In Chronic low back pain (OSTEOPATHIC) Trial is a Phase III randomized controlled trial that seeks to study 488 subjects between August 2006 and June 2010. It uses a 2 x 2 factorial design to independently assess the efficacy of OMT and UPT for chronic low back pain. The primary outcome is a visual analogue scale score for pain. Secondary outcomes include back-specific functioning, generic health, work disability, and satisfaction with back care.


Die meisten Publikationen beschäftigen sich mit muskulo skeletallen Problemen, da in diesem Bereich ein hoher bedarf an Evidenz gefordert wird. „Epidemiologische Daten zeigen, dass Erkrankungen der Wirbelsäule oft einhergehen mit psycho-sozialen Risikofaktoren“, sagte die VOD-Vorsitzende. Die zunehmende Prävalenz und Inzidenz bedeute in der Folge hohe Behandlungskosten. Es besteht ein hoher Bedarf an effektiven, nicht-invasiven, kostengünstigen Therapiemodellen. Der Verband der Osteopathen Deutschland fordert und fördert mit der Forschungskommission für Osteopathie seit 10 Jahren klinische Studien.

In ihrem Ausblick formulierte Marina Fuhrmann folgende Punkte:

  • Es besteht ein hoher Bedarf an weiterer Forschung im Bereich der Osteopathie

  • Es zeichnen sich positive Ergebnisse osteopathischer Interventionen ab

  • Die durchschnittliche Interventionsfrequenz von fünf Behandlungen in großen Zeitabständen stellt eine interessante ökonomische Perspektive für die Einbindung der Osteopathie in das deutsche Gesundheitswesen dar.

  • Eine Erfassung osteopathischer Leistung wird in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sein und würde der Osteopathie wegen der zeitliche Reglementierung deutlich schaden.


Zusammenfassend heißt das in ihren Augen: „Man kann mit Fug und Recht die Osteopathie als ein bedeutsames Konzept der Komplementärmedizin begreifen und entfalten.“ Marina Fuhrmann sieht die Osteopathie als eine Brücke zwischen Schulmedizin und Ansätzen neuer Paradigmen alternativer medizinischer Konzepte. Aufgrund ihrer differenzierter Grundlagen und grundlagentheoretischer Annahmen sei die Osteopathie außerordentlich produktiv in ihrer integrativen Dynamik. Brücken- und Integrationspotenz können und sollten sich in Kooperationsfähigkeit und Kooperationswürdigkeit niederschlagen und sich in berufsübergreifender Teilhabe an einer differenzierten, dem heutigen individualisierten Menschen angemessener Versorgungskette oder -palette zeigen.




Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD e.V.)
Untere Albrechtstr. 15 - D-65185 Wiesbaden
Tel. 0611 5808975 0 - Fax 0611 5808975 17
Email gs.wiesbaden@osteopathie.de - www.osteopathie.de