VOD-Nachrichten


22.09.2009

Interview mit Philip van Caille zum Thema Osteopathie und Kieferorthopädie


VOD: Was haben Besucher Ihres Vortrages „Osteopathie und ihre Bedeutung in der funktionellen Kieferorthopädie und Orthodontie bei Kindern“ und Teilnehmer ihres gleichnamigen Workshops in Schlangenbad zu erwarten?
 
Philip van Caille: Erst möchte ich gerne erwähnen, dass ich mir immer bestimmte Fragen gestellt habe:  Warum reagiert ein Kind relativ günstig auf apparative, kieferorthopädische Behandlung ohne „negative Reaktionen“ wie Kopfschmerzen, HWS-Beschwerden, Zähneknirschen, etc… während ein anderes Kind wiederum sehr ausgeprägte Adaptationsprobleme zeigt. Warum müssen Kinder nach der kieferorthopädischen und orthodontischen Korrektur noch Jahre einen Retainer tragen, (in der Kieferorthopädie gibt es eine deutliche Tendenz zu „retention for life“) um Rezidiven vorzubeugen? Warum kann es nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung innerhalb einer Periode von ein bis zwei Jahren ein beinah totales Rezidiv geben?  Warum lässt die erwünschte Reaktion auf die kieferorthopädische Behandlung auf sich warten? Warum herrscht eine bestimmte Therapieresistenz?
Die Ursachen dieser Phänomene und die damit verbundenen Strategien für osteopathische Behandlung sind Inhalt des Vortrags und Workshops.
 
VOD: Welche Rolle kann die Osteopathie im Zusammenhang mit einer kieferorthopädischen Behandlung spielen?
 
Philip van Caille: Allgemein kann das Ziel der osteopathischen Behandlung als die Wiederherstellung der normalen stomatognaten Funktion umschrieben werden, wodurch eine normale/optimale Mundraumentwicklung in alle Richtungen stattfinden kann.
 
VOD: Können Sie ein Beispiel nennen?
 
Philip van Caille: Z.B. ist die normale Biomechanik und Dynamik der Synchondrosen als Wachstumszentren der Schädelbasis entscheidend für die Volumenzunahme von Ober- und Unterkiefer und die daraus resultierende Translation und Lage von Ober- und Unterkiefer.
 
VOD: Bei einer Dysgnathie können zahlreiche wichtige Aufgaben nicht richtig erfüllt werden: gründliches Kauen wird erschwert oder verhindert, da der Kontakt der Zähne zum Gegenkiefer nur ungenügend oder gar nicht vorhanden ist. Ist Ihrer Ansicht nach eine kieferorthopädische Behandlung immer notwendig oder kann man bei Kindern auch ausschließlich durch osteopathische Techniken etwas erreichen?
 
Philip van Caille: Die kieferorthopädische apparative Behandlung enthält dentoalveoläre und skelettale Korrekturen, die während oder außerhalb der orofazialen Entwicklungsphase durchgeführt werden. Diese Behandlung ist sicher wertvoll und oft notwendig, aber es ist nicht unlogisch mit der Behandlung der ätiologischen Faktoren, die eine Dysgnathie möglicherweise ausgelöst haben, anzufangen. 
Die osteopathische manuelle Behandlung der posturologischen Dekompensationen, der strukturellen Schädeldysfunktionen und der orofacialen Dysbalance,  die neurofunktionelle Reorganisation durch mund- und körpermotorische Trainingstherapie und das Lösen von psychovegetativen Blockaden,  wenn diese für den positiven Verlauf der Therapie relevant sind, können dazu führen, dass das Kind seine Dysgnathie vollständig ausgleicht.
 
 
VOD: Können Sie über eine erfolgreiche Behandlung berichten?
 
Philip van Caille: Am Symposium werde ich einige Beispiele vorstellen in welcher Weise eine gute Behandlungsstrategie und Therapie über eine Periode von zwölf Monaten, Kinder mit einer Dysgnathie ausgleichen kann.
 
VOD:  Arbeiten Sie in der Schweiz mit Kieferorthopäden zusammen?
 
Philip van Caille: Die Zusammenarbeit war am Anfang schwer. Nicht, weil man der Osteopathie negativ begegnet ist, sondern weil nicht deutlich war, was die Osteopathie für Kinder mit einer Dysgnathie bedeuten kann. Informationen zur Verfügung stellen und informative Gespräche kombiniert mit deutlichen Resultaten, haben dazu geführt, dass mit mehreren Kieferorthopäden, Zahnärzten und Logopäden eine gute Zusammenarbeit entstanden ist.
 
 
VOD: Vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf Sie in Schlangenbad!
 
 






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