VOD-Nachrichten


19.11.2009

Bundesärztekammer veröffentlicht wissenschaftliche Bewertung der Osteopathie


In einer jetzt online im Ärzteblatt veröffentlichten, zehnseitigen wissenschaftlichen Bewertung der Osteopathie trifft die Bundesärztekammer (BÄK) diverse Aussagen, die vom Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V. nicht mit getragen werden. So heißt es: „Es wird u. a. ersichtlich, dass Begrifflichkeiten wie „Osteopathie“ und „osteopathische Medizin“ keine klare, weltweit akzeptierte Definition besitzen. Dennoch haben verschiedene osteopathische Verfahren Eingang in die Medizin gefunden und können als Bestandteil und Erweiterung der Manuellen Medizin betrachtet werden. Die Notwendigkeit einer ärztlichen Differentialdiagnostik ist dabei aber essenziell.“ Die wissenschaftliche Bewertung der Osteopathie ist vom wissenschaftliche BÄK-Beirat im Auftrag der BÄK nach Anhörung von 14 Fachgesellschaften, Verbänden und Gutachtern getroffen worden.
 
Nach Auffassung des ebenfalls in die Befragung einbezogenen VOD war und ist die Osteopathie niemals eine Erweiterung der Manuellen Medizin gewesen, da zum Beispiel Osteopathie und Chiropraktik geschichtlich nachvollziehbar unterschiedliche Wurzeln und daraus resultierend unterschiedliche Definitionen haben. Die Chiropraktik versteht sich international als ein „eigenständiges“ therapeutisches Konzept, das sich von der Osteopathie so grundsätzlich unterscheidet, dass die WHO für beide Gebiete separate „guidelines“ entwickelt hat beziehungsweise entwickelt. Vielmehr wird, insbesondere wenn man die Betrachtung nicht nur auf Deutschland begrenzt, deutlich, dass manuelle Medizin und Manualtherapie geschichtlich leicht nachvollziehbare Teilabspaltungen der Osteopathie sind, die sich auf den Einsatz einzelner osteopathischer Techniken beschränken, so der VOD.
 
Der Beitrat der BÄK befasste sich in der Studie mit den Definitionen, der Stellung der Osteopathie im Gesundheitssystem im Ländervergleich, bisherigen Nachweisen der Wissenschaftlichkeit, der Wirksamkeit und Sicherheit osteopathischer Verfahren, der Beurteilung der osteopathischen Philosophie, Risiken und Nebenwirkungen, der Verordnung und Delegierbarkeit, rechtlichen Fragen und den Qualifizierungswegen zur Anwendung der Osteopathie. Wie es in dem Papier heißt, bestand der Studien-Sinn einerseits in einer nach wissenschaftlichen Kriterien vorzunehmenden Bewertung der Osteopathie und „der mit der Ausübung der ,Osteopathie’ verbundenen konkreten Gefahren für die behandelten Patienten. Andererseits sollte die Frage beantwortet werden, ob die sogenannte ,Osteopathie’ oder einzelne Teilbereiche davon nach deutschem Recht als Heilkunde einzuordnen sind.“
 
In einer zusammenfassenden Bewertung heißt es unter anderem: „Grundsätzlich ist festzustellen, dass einigermaßen zuverlässige Aussagen zur Wirksamkeit/Effektivität osteopathischer Behandlungen nur zu wenigen Erkrankungsbildern vorliegen. Daraus ist insgesamt zu folgern, dass für die Anwendung bestimmter, hauptsächlich ,parietaler’ (= manualmedizinischer) und in geringerem Maß ,viszeraler osteopathischer Techniken’ Hinweise für die Wirksamkeit nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin vorliegen. Für ,kraniosakral-osteopathische’ Aspekte ist das nur sehr eingeschränkt der Fall.“ Der VOD vertrat in der Befragung dazu unter anderem die Ansicht, dass sich die osteopathischen Ansätze seit eh und je auf den ganzen Menschen beziehen, weshalb es keine wissenschaftlichen Grundlagen für die Konstrukte von Teilbereichen gäbe. Die „artifizielle“ Trennung in die oben genannten drei Bereiche sei in der osteopathischen Praxis wie in klinischen Studien irrelevant, bei denen der insgesamt durch eine osteopathische Behandlung erzielbare Effekt im Mittelpunkt steht. Die Unterscheidung ist vornehmlich der didaktischen Ebene bzw. Studien im Bereich der Grundlagenforschung vorbehalten, so der Fachverband VOD.
 
Zum Thema Wissenschaftlichkeit kommt die Bewertung zu dem Schluss: „Bei den philosophischen Grundlagen der ,Osteopathie’ bewegt man sich dagegen auf dem Gebiet der  Weltanschauung, für die es keine Evidenz im naturwissenschaftlichen Sinne geben kann.
Auf einer abstrakten Ebene sind aber einige dieser Annahmen (Bewegung, Fluss und Ganzheitlichkeit) durchaus mit unserem heutigen naturwissenschaftlich-ärztlichen Denken kompatibel. So sind Aspekte wie Bewegung und Ganzheitlichkeit essenzieller Bestandteil verschiedener medizinischer Fachdisziplinen (z. B. Allgemeinmedizin, Rehabilitation).“
 
Zum Punkt Sicherheit heißt es: „Entscheidende Voraussetzung, um insbesondere Komplikationen durch befunderhebende und therapeutische Maßnahmen einer
vorgeschädigten Struktur zu vermeiden, ist eine umfassende ärztliche Untersuchung und Differenzialdiagnose.“ Der VOD vertritt die Meinung, dass diese Aussage auf alle osteopathisch Tätigen, nicht nur auf Ärzte, zutreffen muss. Dass es, wie es in der BÄK-Studie heißt, im Rahmen einer solchen Untersuchung insbesondere gelte, krankheitsbedingte Strukturschädigungen auszuschließen, welche im Rahmen der befunderhebenden und therapeutischen Maßnahmen Komplikationen verursachen können, ist für den VOD selbstverständlich. Der Behauptung, dass Ärzte, die osteopathisch tätig sind, nur Grundkenntnisse in Osteopathie haben sollten, müsse dagegen vehement widersprochen werden. Der VOD: „Es ist erforderlich, dass jede osteopathisch tätige Berufsgruppe umfassend zur osteopathischen Therapie befähigt ist, was durch die genannten Ausbildungskriterien des VOD oder vergleichbarer Standards in anderen Ländern gewährleistet ist.“
 
Auch der in der BÄK-Studie angemahnten „Notwendigkeit einer ärztlichen Differenzialdiagnostik vor Durchführung osteopathischer Techniken“, kann der VOD nicht zustimmen. Nach Ansicht des Osteopathie-Verbandes ist für Ärzte und Physiotherapeuten mit einer umfassenden Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung inklusive Differenzialdiagnostik das sogenannte Delegationsverfahren in Frage zu stellen. Vielmehr sei eine Kooperation mit den Ärzten, die die medizinisch notwendigen differenzialdiagnostischen Maßnahmen durchführen, sinnvoll. In der täglichen Praxis finde auf diese Weise eine bemerkenswert fruchtbare, konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzten vieler Fachgebiete und Mitgliedern des VOD unter voller gegenseitiger Anerkennung der Kompetenzen statt.

Link
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&p=osteopathie&id=66809






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