VOD-Nachrichten


18.07.2021

100. Geburtstag der „Grand Dame“ der Osteopathie


Herzlichen Glückwunsch einer führenden Vertreterin der craniosacralen Osteopathie: Heute wäre Dr. Viola Muriel Frymann DO 100 Jahre alt geworden! Sie war eine der letzten Schülerinnen William G. Sutherlands, galt als Wegbereiterin der Osteopathie für Kinder und zählte mit ihrem „Osteopathic Center for Children" in San Diego zu den herausragenden Osteopathie-Institutionen für Kinder weltweit.
 
Geboren wurde Dr. Viola Muriel Frymann DO am 18. Juli 1921 in England. Erste positive Erfahrungen mit Osteopathie machte sie bereits als vierjähriges Mädchen, als ihrem an Tuberkulose leidenden Vater durch einen Osteopathen geholfen werden konnte. Nach ihrem Medizinstudium in London ging sie mangels Ausbildungsmöglichkeit in Europa ans College of Osteopathic Physicians and Surgeons in Los Angeles.

Ein tragisches Ereignis überschattete ihr Leben: der Tod ihres erstgeborenen Sohnes Pauls an den Folgen seiner langen und schweren Geburt. Als Dr. Viola Muriel Frymann DO von William G. Sutherland hörte, besuchte sie einen Kurs, war fortan begeistert von seinen Theorien der beweglichen Schädelknochen und traumatischen Geburten und wurde zu seiner Schülerin.
in den 1960er Jahren in Europa, insbesondere in Frankreich, maßgeblich initiiert, reiste seitdem unermüdlich mehrere Monate jährlich um die Welt, unterstützte in ihrer unvergleichlichen Art und Weise Osteopathen vor allem in jenen Ländern, in denen die Osteopathie noch ein zartes Pflänzchen war und verbreitete das Erbe von Dr. Andrew Still, John Martin Littlejohn und William G. Sutherland.
 
Aus ihrer Sicht gelten eine osteopathische Diagnostik und Behandlung direkt im Krankenhaus für jedes Neugeborene nach der Geburt als Präventivmedizin. Sie erkannte den Stellenwert von osteopathischen Dysfunktionen des Bewegungsapparates bei Neugeborenen und wie wichtig die Behandlung solcher Dysfunktionen in der Phase unmittelbar nach der Geburt ist. Sie erklärte diese Phase zu einer der wichtigsten Phasen in der präventiven Medizin. In einer Studie untersuchte Dr. Viola Frymann DO 1250 Neugeborene, von denen nur bei 145 keine Funktionsstörungen festgestellt wurden. Diese diagnostischen Erkenntnisse waren wichtig, um die Aufmerksamkeit auf die klinische Relevanz einer Behandlung von Neugeborgenen und Säuglingen zu lenken.
 
Sie war Fellow der Academy of Osteopathy und der Cranial Academy, galt als angesehene Forscherin, erhielt zahlreiche Ehrenauszeichnungen von osteopathischen Vereinigungen und war emeritierte Professorin an Fachhochschulen und Universitäten in aller Welt. Unzähligen Osteopathen und Osteopathinnen galt sie als Mentorin und Lehrmeisterin. Am 23. Januar 2016 ist Dr. Viola Muriel Frymann im Alter von 94 Jahren in San Diego gestorben. Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) verneigt sich vor einer großartigen Frau und Osteopathin.

Stimmen von Osteopathinnen und Osteopathen:

„Meine Begegnungen mit Viola Frymann waren anfangs von einer großen Skepsis geprägt; ging es darum zu verstehen, in welcher Form sie damals unsere Anstrengungen für eine Anerkennung der Osteopathie in Deutschland einschätzte. Sie war als Jurymitglied des Internationalen Forums der American Academy of Osteopathy eine sehr nüchterne, analytische, schnörkellose und herausfordernde Persönlichkeit.

In ihren Workshops hingegen erlebte ich eine Frau mit einer unglaublichen Konzentration und Empathie und einem enormen Wissen, mit dem sie jeden Teilnehmer in ihren Bann zog. Mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit, oft in Gesprächsform, vermittelte sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen. Forschung war ihre große Leidenschaft, die sie intensiv verfolgte und förderte. Die Behandlung von Kindern war ihre Herzensangelegenheit, welche in der Gründung einer Kinderklinik in San Diego mündete.

Viola Frymann hat mich persönlich sehr stark berührt und in meiner osteopathischen Arbeit inspiriert und beeinflusst. Ich mochte ihren trockenen Humor, ihre Verschmitztheit und schätzte sie vor allem als ganz besonderen Menschen. 

Wenn diese kleine Frau einen Raum betrat, wurde es sofort ruhiger, wenn sie anfing zu sprechen, war es still. Danke Viola, große Dame der Osteopathie!"

(Prof. Marina Fuhrmann DO)


„Meine erste Begegnung mit Viola Frymann war eine kurze, aber eine eindrückliche Erfahrung in der Welt der amerikanischen Osteopathielandschaft, zusammen mit Marina Fuhrmann und Charlie Riedl im März 1997 in Colorado Spring anlässlich des Kongresses der American Academy of Osteopathy (AAO). Es war formal der dritte Auftritt des VOD in den USA – diesmal mit verstärkter Mannschaft! Die Begegnung war ein abtastendes kurzes Gespräch. Mehr eine einführende Vorstellung, dass wir drei aus Deutschland als eigenständiger Berufsverband des VOD hier in Colorado uns präsentierten, um Anschluss und Gehör zu finden an die große, etablierte Welt der Osteopathie. Mir schien, dass Frau Frymann damals – obwohl gebürtige Engländerin – wenig Gefallen an uns und unseren Visionen hatte. Am Abend danach erlebte ich sie in einem Baby-Workshop. Sie war in ihrer therapeutischen Welt. Eine andere Viola Frymann."

(Dr. phil. Albrecht Kaiser DO)


„Dr. Frymann war eine prägende traditionelle Osteopathin, die unseren Beruf weltweit getragen hat, im Sinne A.T. Stills.“

(Charlie Riedl DO)

„Mich hat an der Begegnung mit Viola Frymann besonders bewegt, dass sie immer eine enorme Ausstrahlung und Präsenz hatte. Meine Begegnung mit Viola Frymann war etwas Besonderes, weil ich sie erstmals auf einem Kongress in Portugal traf und neben ihr in einem Glossary-Komitee saß. In der Mittagspause sagte sie zu mir: „Legen Sie mal ihre linke Hand auf meine Schulter.“ Pflichtbewusst folgte ich ihrer Anweisung. Es entwickelte sich folgender Dialog: „Was spüren Sie?“ „Eine Spannung hin zur WS.“ „Dann lösen Sie diese Spannung!“  „Mit welcher Methode?“ „Das Gewebe weiß, was es will, fangen Sie schon an.“  Sie war immer so herrlich direkt und bestimmend. Ohne Viola Frymann als Lehrerin wäre ich nicht in mein jetziges Spezialgebiet der Kinderosteopathie gelangt. Viola Frymann ist für mich eine der ganz großen Frauen in de Osteopathie-Geschichte, die viele Generationen von Osteopathen geprägt hat.

(Dr. med. Johannes Mayer D.O.M.)


„Ich traf Viola Fryman in den späten 90er Jahren bei einem ihrer Kurse in Paris. Besonders berührt hat mich, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters (sie war damals schon über 80) bei der Untersuchung eines Kindes mit diesem am Boden krabbelte. Sie war immer auf Augenhöhe mit den Kindern, die ich sie behandeln sah – nie wurde über ein Kind hinweg mit den Eltern gesprochen. Sie wusste, wer ihr Patient war, der Kontakt war von Herz zu Herz.“

(Eva Möckel DO)


„Viola Frymann war für mich die Initialzündung für meinen Weg in der osteopathischen Kinderbehandlung. Sie war eine ganz besondere, charismatische Autorität für die Verkörperung der osteopathischen Prinzipien, besonders in der osteopathischen Pädiatrie. Ich hatte das Glück, dass sie mich und meine Tochter in den 1990er Jahren behandelte. Ich verbrachte viel Zeit in ihrem Kinderzentrum in San Diego und bin bis zum heutigen Tag inspiriert durch sie. Ich bin dankbar für ihr Lebenswerk.“

(Tom Esser DO)





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