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23.06.2021

Profis für Profis: VOD-Mitglied Michael Arndt - Osteopath bei Borussia Dortmund



Michael Arndt ist seit vier Jahren als Osteopath beim Fußballbundesligisten Borussia Dortmund tätig. Der 50-Jährige mit Praxis in Dortmund ist VOD-Mitglied und arbeitet nach seiner Ausbildung am College Sutherland seit 2008 als Osteopath. In einem Interview verrät er mehr über den Erfolg von Osteopathie im Profi-Fußball.
VOD: Wo liegen die körperlichen Probleme bei Fußballern? Und wie behandeln Sie und Ihre Kollegen diese dann osteopathisch?

Michael Arndt: Die größten Probleme gibt es in den unteren Extremitäten und in der LBH-Region. Im Bereich der Gelenke sind die Sprunggelenke besonders betroffen, dicht gefolgt von den Hüft- und Kniegelenken. Muskulär gibt es bei den Adduktoren/Hamstrings sowie bei den Hüftbeugern die häufigsten Dysfunktionen. Hat ein Spieler Probleme, die durch eine akute Verletzung entstanden sind, kümmern sich in erster Linie meine Kollegen aus der Physiotherapie um ihn. Die immer gleichen Bewegungen und Belastungen führen mit der Zeit dazu, dass bestimmte Gelenke und Muskeln besonders beansprucht sind. Diese Belastungen führen im Laufe der Zeit auch zu kompensatorischen Dysfunktionen. Darum kümmere ich mich dann als Osteopath. In den medizinischen Besprechungen mit Ärzten und Physiotherapeuten, den Ernährungsberatern und Athletiktrainern tauschen wir uns jeden Morgen aus und suchen nach der Ursache für die Beschwerden und nach der bestmöglichen Behandlung.

VOD: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag bei Borussia Dortmund aus?
Michael Arndt: Der Arbeitstag beginnt jeden Morgen mit der medizinischen Sitzung. Vor dem Training werden die ersten Spieler untersucht und behandelt – auch, wenn keine Beschwerden vorliegen. Während der Trainingszeit sind dann die Verletzten an der Reihe, die am Mannschaftstraining nicht teilnehmen können. Nach dem Training setzen wir die Behandlung der übrigen Spieler fort. Bei Bedarf erfolgen ein erneuter Check und eine erneute Behandlung.

VOD: Und das Geschehen rund ums Spielfeld bei Einsätzen in der Bundesliga und in Wettbewerben wie der Champions-League?

Michael Arndt: Bei den Wettbewerben – am Spielfeldrand – bin ich in der Regel nicht dabei. Das ist meistens nicht erforderlich, denn Osteopathie ist in dem Sinne keine „Akut- und Notfallmedizin“.

VOD: Osteopathie wirkt auch präventiv?

Michael Arndt: Unbedingt. Prävention ist ein sehr wichtiger Bereich Ich glaube sogar, dass das eine der besonderen Stärken der Osteopathie ist. Vielleicht sogar unser Alleinstellungsmerkmal. Im besten Fall erkennen wir Dysfunktionen und Kompensationen, bevor ein Spieler Beschwerden hat und seine Leistung eingeschränkt ist.

VOD: Können Sie ein Beispiel nennen?

Michael Arndt: Sehr gerne. Eine der fußballerischen Dysfunktionen, die immer wieder diagnostiziert wird, ist die Blockade im oberen Sprunggelenk. Dadurch, dass die Spieler ständig im Lauf stoppen und abbremsen müssen, wird das Gelenk sehr stark belastet. Die Tibia gleitet nach anterior und führt so zur anterioren Dysfunktion gegenüber dem Talus. Hier können wir durch eine Manipulation der Tibia nach posterior präventiv vorbeugen. Und mehr noch: Wir können Folgeerscheinungen wie eine Entzündung der Achillessehne und Hypomobilität (führt auf Dauer zur Arthrose) im OSG verhindern.

VOD: Welche Rolle spielt Osteopathie im heutigen Profi-Fußball? Und welche Rolle könnte sie eventuell in ein paar Jahren spielen?

Michael Arndt: Aus meiner Sicht spielt Osteopathie eine sehr große Rolle, da sie den Sportler ganzheitlich betrachtet und so die tatsächlichen Ursachen für Dysfunktionen entdecken kann. Dadurch, dass der Fußballsport in den zurückliegenden Jahren immer intensiver geworden ist, werden auch die Dysfunktionen komplexer.

VOD: Was macht die Osteopathie im Spitzensport und speziell im Profi-Fußball so erfolgreich?

Michael Arndt: Der Schlüssel zum Erfolg ist der eben beschriebene ganzheitliche Ansatz. Dabei geht es nicht darum, traditionelle Verfahren zu ersetzen. Es geht darum, sie zu ergänzen und Alternativen für eine erfolgreiche, nachhaltige Behandlung zu bieten.

VOD: Welche Vorteile der Osteopathie sehen Sie selbst aus der Perspektive des Spielers und der des Therapeuten?

Michael Arndt: Für die Spieler ist es ein enormer Vorteil, dass sie sehr schnell wieder in das Mannschaftstraining eingegliedert werden können. Und es ist ein Vorteil, dass die Osteopathie auch präventiv arbeitet. Das reduziert das Risiko eines Rückfalls und von Bewegungs- und Leistungseinschränkungen ganz erheblich.

VOD: Welchen Belastungen sind die Nationalspieler bei der Fußball-EM ausgesetzt, und wie müsste der Therapeutenstab Ihrer Meinung nach darauf reagieren?

Michael Arndt: Die Belastungen sind noch einmal um einiges höher. Das liegt am intensiveren Training. Das liegt an der Zahl der Spiele. Und es liegt auch an der psychischen Situation der Spieler, die als Mannschaft über längere Zeit im Mannschaftsquartier leben und die mit einer enormen Erwartungshaltung umgehen müssen. Die Herausforderung für uns ist es, die Spieler in kürzester Zeit wieder einsatzbereit zu machen. Das ist das Ziel. Oberste Priorität hat aber natürlich die Gesundheit. Von uns wird eine hochklassige Leitung erwartet. Nicht nur bei hochklassigen Turnieren. Wir geben immer unser Bestes.






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