VOD-Nachrichten


26.07.2021
VOD: Herr Feldmann, seit 30 Jahren gibt es ihr Therapiezentrum in Heiligenhaus, seit einem Jahr sind Sie auch offizieller Osteopath der deutschen Box-Nationalmannschaft. Wie ist es dazu gekommen?
 
Peter Feldmann: Erst dachte ich an einen Scherz meiner Freunde, mit denen ich ein paar Tage später in den Skiurlaub fahren wollte. Aber die Gegenseite blieb dabei vom deutschen Boxverband zu sein. Als ich dann eine offizielle Mail erhielt, war klar, dass der Anruf ernst gemeint war.
 
VOD: Mit welcher Begründung hat man nach Ihnen und der Osteopathie im Profi-Boxsport gefragt?  Wie haben Sie reagiert?
Peter Feldmann: Im Spitzensport ist man dauernd auf der Suche nach möglichen Verbesserungen der Athleten und Athletinnen. Die Osteopathie war bis dato noch nicht im Portfolio des DBV und ich konnte den Verband mit meiner Arbeit davon überzeugen, dass die Osteopathie einen Vorteil für die Athleten bringt. Ich selbst behandle schon lange Spitzensportler, allerdings immer nur auf Wunsch der Athleten selbst. Mich reizt die Aufgabe, das Maximum an Leistung aus den Sportlern zu kitzeln und war somit sofort mit Feuer und Flamme dabei.
 
VOD: Wie können wir uns Ihre Arbeit mit den Boxern konkret vorstellen?
 
Peter Feldmann: Im Prinzip wie bei unseren Patienten im Therapiezentrum. Natürlich sind die Bedürfnisse anders gelagert und man verbringt viel mehr Zeit neben der Behandlung mit den Athleten. Ich schaue mir das Training, die individuelle Technikarbeit usw. an, um noch spezifischer auf die Athleten eingehen zu können. Natürlich ist man auch ein Bindeglied zwischen Trainern, Betreuern und Sportlern und manchmal auch Kummerkasten und Ratgeber.
 
VOD: Welche Körperpartien sind außer dem Gesicht und dem Oberkörper bei Profi-Boxern besonders gefährdet?
 
Peter Feldmann: Boxer arbeiten mit dem gesamten Körper und entfesseln hohe Kräfte. Damit eingebunden sind auch die Sprunggelenke, die Handgelenke, die Beckenregion usw. Natürlich müssen die Organe, z.B. die Leber, eine Menge aushalten und sind behandlungsbedürftig.
Ich habe mittlerweile ein Konzept erarbeitet, welches diese besonderen Belastungen berücksichtigt.
 
VOD: Und wie behandeln Sie dann osteopathisch? Können Sie ein Beispiel nennen?
 
Peter Feldmann: Find it, fix it, leave it – meine Arbeit orientiert sich exakt an diesem Prinzip. Für mich „mein“ Leitspruch, der sogar in meiner Praxis als Bild hängt (selbst gemalt ;) ) . Das bedeutet, dass ich konsequent alle Strukturen behandele, die in irgendeiner Weise Läsionen zeigen. Dabei kommen alle Bereiche der Osteopathischen Medizin zum Zug: Parietal, Visceral, Cranio-Sacral, Fascial, usw.
 
VOD: Osteopathie wirkt auch präventiv…
 
Peter Feldmann: Na klar! In der Regenerationsphase arbeite ich genau so intensiv wie beispielsweise vor dem Wettkampf. Da kommt wieder mein kleines Konzept zum Vorschein. Wenn alle Punkte abgehakt sind, kann ich mich den präventiven Aspekten widmen.
 
VOD: Stehen Sie bei einem Kampf mit am Ring?
 
Peter Feldmann: Das kommt immer auf die Situation an. Bei größeren Turnieren kann es sein, dass die eine Gruppe im Ring steht und die andere wird auf den Kampf vorbereitet. Grundsätzlich versuche ich immer bei den Kämpfen dabei zu sein, aber manchmal geht das leider nicht. In solchen Fällen schau ich mir das Geschehen auf dem Tablet an, um wenigstens einen Eindruck vom Kampf zu haben.
 
VOD: Worin sehen Sie persönlich den Nutzen der Osteopathie im Profisport?
 
Peter Feldmann: Ein Profi versucht seine Leistung stetig zu verbessern. Je höher man auf dem Weg nach oben kommt, umso dünner wird dann die Luft. Die Osteopathie hilft dabei, die Leiter noch ein, zwei Sprossen weiter zu erklimmen. Ich vergleiche das immer mit einer Spitze: Im Profibereich sind alle fast ganz oben; wer jetzt noch ein paar Millimeter mehr schafft, der ist ganz oben.
 
VOD: Wie viel Zeit investieren Sie in den Job mit den Boxern?
 
Peter Feldmann: Ich bin in der glücklichen Lage im TZ Feldmann, ein super Team um mich zu vereinen. So kann ich mehrmals im Jahr zu Maßnahmen reisen und die Nationalmannschaft betreuen. Da kommt so einiges an Tagen zusammen.
 
VOD: Wie hat Corona Ihre Arbeit und das Training der Boxer eingeschränkt?
 
Peter Feldmann: Von Anbeginn hat man sogenannte „Corona-Bubbles“ installiert, um die Athleten und das Team zu isolieren. Die Mannschaft und alle Teammitglieder werden engmaschig kontrolliert und getestet. Natürlich fehlen die Zuschauer in den Hallen, die natürlich eine ganz andere Atmosphäre machen als eine leere Halle. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich schnell an eine neue Situation.
 
VOD: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!





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