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17.06.2021

„Der Profifußballer ist wie ein Rennwagen zu betrachten“


Interview mit Thomas Ehrmann und Marc Grzebellus, Osteopathen der DFB-Juniorenmannschaften

VOD: Sie haben gerade das Fußballteam der U18 Nationalmannschaft als Osteopathen zu deren ersten Trainingslehrgang in diesem Jahr begleitet. Wie kann man sich Ihre Arbeit dort vorstellen?

Marc Grzebellus: Der Arbeitsalltag während eines Trainingslagers ist sehr umfangreich und somit ist auch das Anforderungsprofil an uns sehr vielschichtig. Das Einstellen auf die individuellen Spielertypen sowie die unterschiedlichen Maßnahmen bei den Turnieren, Länderspielen und Trainingslagern erfordern unterschiedliche therapeutische Interventionen.
Thomas Ehrmann: Neben der Behandlung von akuten Verletzungen und der Unterstützung der Regeneration versuchen wir im Wesentlichen dysfunktionell-inhibitorische bzw. dysfunktionell-exzitatorische Einflüsse auf das muskuloskelettale System zu minimieren, und somit die Leistungsfähigkeit der Spieler zu unterstützen.

VOD: Seit wann und auf welche Weise sind Sie osteopathisch für den Deutschen Fußball-Bund tätig?

Marc Grzebellus: Ich bin seit der Saison 2015/2016 für den DFB als Osteopath und Sportphysiotherapeut tätig. Während dieser Zeit war ich für die U18- bis U20- Nationalmannschaften tätig. Meine schönste Erfahrung war die Teilnahme an der U20-WM 2017 in Südkorea.

Thomas Ehrmann: Ich bin seit 2009 beim DFB und durfte dabei Teams von der U17 bis zur U21 begleiten. Dabei waren die großen Turniere, wie beispielsweise die U17 Europameisterschaft, sowie zwei Weltmeisterschaften mit der U20 sicherlich die größten Highlights.
VOD: Warum gewinnt Osteopathie im Profi-Fußball immer mehr an Bedeutung?

Thomas Ehrmann: Der Fußball an sich - und sicherlich auch der Profifußball – stellt ein gewisses Abbild der Gesellschaft dar. Da die Osteopathie insgesamt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist es für mich nur folgerichtig, dass auch die Osteopathie im Fußball immer mehr Einzug hält. Zudem wird die Belastung im Spitzenfußball auch immer höher, so dass die Osteopathie mit all ihren Möglichkeiten eine zusätzliche Unterstützung für den Athleten darstellt.

Marc Grzebellus: Der Profifußballer ist dabei wie ein Rennwagen zu betrachten, den es gilt vor, zwischen sowie nach dem Wettkampf fein zu justieren. Wir versuchen dabei den Sportler bei seiner Höchstleistung zu unterstützen und ihm eine Hilfestellung zu geben, indem wir bildlich gesprochen, jedes Schräubchen betrachten und, wenn nötig, umdrehen.

VOD: Können Sie ein Beispiel für erfolgreiche Behandlung nennen?

Thomas Ehrmann: Ohne ein plakatives Beispiel zu nennen, ist es unsere Erfahrung, dass sich, bedingt durch Belastungsspitzen, die Kavitätentension verändern kann und sich das muskuloskelettale System adaptiv verhält. Dies kann dann beispielsweise im Adduktorenbereich der Spieler zu Irritationen oder, der Kette folgend, in der Becken-Bein-Achse zu Überlastungserscheinungen führen.

Marc Grzebellus: Die Veränderung der Tension im unteren Blatt von Glenard, kann dabei beispielsweise, bedingt durch ein Tensionserhöhung im sigmoidalen Winkel, zu einer verminderten venösen und lymphatischen Abflussfähigkeit führen und den Athleten bei seiner Höchstleistung im Wettkampf oder bei der Regeneration beeinträchtigen.

VOD: Die präventive Wirkung der Osteopathie darf nicht vergessen werden…

Marc Grzebellus: Die Spieler werden zum Auftakt jeder Länderspielmaßnahme von uns einem sogenannten „Eingangs-Check“ unterzogen, bei dem sie genau untersucht werden, auch wenn offensichtlich keine Beschwerde-Symptomatik besteht. Im weiteren Verlauf der Maßnahme, ist es unsere Aufgabe, den Athleten immer wieder mit unseren Händen „im Blick“ zu haben.

Thomas Ehrmann: So versuchen wir beispielsweise, visco-elastische Veränderungen des faszialen Bindegewebes frühestmöglich zu erkennen und positiv zu beeinflussen.

VOD: Können Sie beschreiben, unter welchen Bedingungen Ihre medizinischen Kollegen derzeit bei der Fußball-EM arbeiten…

Marc Grzebellus: Die Rahmenbedingungen sind beim DFB optimal.

Thomas Ehrmann: Wir wünschen dem ganzen Team eine erfolgreiche Europameisterschaft und drücken von hier aus fest die Daumen.

VOD: Vielen Dank für das Interview!





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