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11.06.2021

„Osteopathie genießt im Leistungssport höchste Anerkennung“



Interview mit Jens Joppich, Osteopath bei Fußballbundesligist Bayer Leverkusen, der Deutschen Basketball-Nationalmannschaft und im medizinischen Staff der Dallas Mavericks
VOD: Warum wird Osteopathie zunehmend im Leistungssport eingesetzt?

Jens Joppich
: Ich denke, dass dem Ansatz der ganzheitlichen Behandlung bei immer größeren Belastungen der Athleten eine immer wichtigere Rolle in einer guten medizinischen Abteilung im Leistungssport beigemessen wird. Gerade Athleten, aber mittlerweile auch viele Trainer, erkennen die Vorteile und den positiven Nutzen der Osteopathie.

VOD: Wo liegen die körperlichen Probleme bei Fußballern? Und wie behandeln Sie und Ihre Kollegen diese dann osteopathisch?

Jens Joppich: Die Probleme sind unterschiedlich. Einmal akut durch körperliche Kontakte im Training und Spiel. Dort sind in erster Linie Akutmaßnahmen zu leisten, sicher erst danach kommt der osteopathische Aspekt dazu. Im Bereich vergangener Verletzungen mit Restsymptomatiken oder Überlastungsproblemen sind wir am aktivsten. Speziell hier versuchen wir osteopathisch Einfluss zu nehmen, durch ganzheitliche osteopathische Behandlungen, wo auch die Ursache oft abseits vom Problem zu finden ist oder sich durch Ursache-Folgeketten verlagert. Grundsätzlich handhaben wir es so, dass Spieler mit Problemen eigentlich immer auch einen osteopathischen Check bekommen und, wenn nötig, dann osteopathisch parallel zu anderen Maßnahmen mitbehandelt werden.
VOD: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag bei Bayer Leverkusen aus?

Jens Joppich: Ich bin in der Regel 2-3 Tage in der Woche vor Ort. Zusätzlich bei Trainingslagern und längeren Wettkampfreisen dabei. Ich behandle dann vor, während und nach dem Training ganz normal parallel zu den anderen Physiotherapeuten der Mannschaft.

VOD: Und das Geschehen rund ums Spielfeld bei Einsätzen in der Bundesliga und in europäischen Wettbewerben?

Jens Joppich: Dort bin ich wenig aktiv. Eigentlich nur bei längeren Reisen in europäischen Wettbewerben, wenn die Regeneration noch am folgenden Tag, bei späten Rückreisen noch vor Ort des Spieles erfolgt. Da macht es Sinn, weil man dort die optimale Nachversorgung haben möchte und keine Zeit verlieren will. Bei kurzen Reisen macht es keinen Sinn, da außer der Akutversorgung grundsätzlich die Behandlungen in Leverkusen stattfinden.

VOD: Osteopathie wirkt präventiv…

Jens Joppich: Für mich hauptsächlich, um Folgeverletzungen zu verhindern. Wir sind in Leverkusen als medizinisches Team breit aufgestellt. Somit können und versuchen wir, auch kleine Probleme in Ruhe zu diagnostizieren und frühzeitig zu behandeln, um eventuell folgende größere Verletzungen zu verhindern.

VOD: Können Sie ein Beispiel nennen?

Jens Joppich: Ein einfaches Beispiel wäre, wenn jemand öfter leichte muskuläre Probleme im Training hat. Dann wird von ärztlicher Seite diagnostisch geschaut und wenn sich kein struktureller Schaden findet, kommt der osteopathische Check dazu, inklusive Behandlung. Oft findet man Probleme abseits vom eigentlich betroffenen Muskel, wie Blockaden in ISG, Rücken oder benachbarten Gelenken wie Knie und Fuß, Ursache-Folgeketten. Vielleicht auch Probleme zwischen Muskel und Organen, z.B. eine Verklebung der Fazien von Psoas und Niere.

VOD: Welche Rolle spielt Osteopathie im heutigen Profi-Fußball? Und welche Rolle könnte sie eventuell in ein paar Jahren spielen?

Jens Joppich: Ich denke, wir sind ein wichtiger und anerkannter Baustein in den medizinischen Teams und auch der einzelnen Spieler geworden. Eigentlich kann man das auf den gesamten Leistungssport beziehen. Dies wird sich in Zukunft nicht ändern, dafür wird unsere Arbeit in diesem Bereich viel zu sehr geschätzt. Hätten wir nur halbwegs diese Anerkennung auch in politischen und medizinischen Gremien, wären wir als Osteopathen schon voll anerkannt! Im Leistungssport sind wir es mit Sicherheit!

VOD: Welche Vorteile der Osteopathie sehen Sie selbst aus der Perspektive des Spielers und der des Therapeuten?

Jens Joppich: Ich sehe uns als Osteopathen, und damit auch mich, immer nur als Teil eines medizinischen Teams. Es funktioniert einfach am besten, wenn jeder – ob Arzt, Physiotherapeut, Masseur, Reha-Trainer – sich ins Team einbringt. Das bringt Spieler und auch Therapeuten am weitesten.

VOD: Worauf kommt es als Osteopath während eines solch hochklassigen Turniers wie der Fußball-EM an?

Jens Joppich: Ich kann nur aus meinen Erfahrungen von Basketball-EM und -WM sagen, dass man immer versuchen muss, das Beste für die Jungs zu tun. Die müssen ihre Leistung auf dem Platz bringen, dafür muss jederzeit alles getan werden. Sonst hat niemand Erfolg, auch wir Osteopathen nicht. Dazu gehört, dass auch ein Osteopath, wenn nötig, mal ein Handtuch reicht, ein Getränk mit zubereitet oder mal bei einer Massage aushilft.

VOD: Vielen Dank für das Interview!





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