
Haxton berichtete unter anderem über die fünf Frauen des ersten Abschlussjahrgangs in Kirksville sowie über Charlotte Weaver und Louisa Burns. Burns widmete ihr Leben der Osteopathie und der Forschung und verstarb dennoch in großer Armut. Charlotte Weaver verfolgte ihre osteopathische Vorstellungen zur Entwicklung des Schädels. Anschaulich wurde dies durch einen 3D-Druck eines kindlichen Schädels den Haxton zum Vortrag mitgebracht hatte, wo man die drei zusammengewachsenen Wirbelkörper des Schädels deutlich erkannte.
Auch die persönlichen Überzeugungen Andrew Taylor Stills kamen zur Sprache. Ein von Haxton gezeigtes schriftliches Dokument Stills gab Einblick in seine von Menschlichkeit und Spiritualität geprägte Haltung. Dabei wurde deutlich, wie eng für Still seine Vorstellungen von Mensch, Natur und Osteopathie miteinander verbunden waren.
Für die Teilnehmer wurde dabei spürbar, dass die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte weit über die reine Vermittlung historischer Fakten hinausgeht. Eine Teilnehmerin beschrieb ihren Eindruck so:
„Dadurch, dass er sich so intensiv mit der Geschichte der Osteopathie beschäftigt hat, hatte ich den Eindruck, dass der Geist von A.T. Still und auch anderer historischer Osteopathen durch ihn wieder lebendig wird.“ Jule Würth
Auch unter den Teilnehmern wurde die Bedeutung einer fundierten Beschäftigung mit der Geschichte der Osteopathie hervorgehoben. Ein Teilnehmer berichtete, dass er immer wieder gezielt nach guten Fortbildungen zur Geschichte der Osteopathie suche. Aus seiner Sicht könne das Verständnis der historischen Entwicklung dazu beitragen, die Osteopathie besser zu verstehen und auch die praktische Arbeit würde durch das historische Verständnis profitieren.
Vom Blick zurück direkt in die Forschung
Am Nachmittag richtete sich der Blick auf die Gegenwart und Zukunft der Osteopathie. Nach der Begrüßung wurden zwei wissenschaftliche Arbeiten vor der Jury der Akademie für Osteopathie präsentiert. Im Mittelpunkt standen zwei klinische Studien mit bemerkenswerten Ergebnissen.
- „Osteopathische Behandlung von Patienten mit somatischen Belastungsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems“ (von Manuel Linnenbrink, Jens Hilbert, Swen Lüttgen, Kathrin Brause, Michaela Mariani und Anne Schorr)
Die prospektive, multizentrische, randomisiert kontrollierte Studie umfasste 142 Patientinnen und Patienten. Untersucht wurde unter anderem, ob fünf individualisierte osteopathische Behandlungen zusätzlich zur laufenden Therapie die subjektive Belastung durch Herz-Kreislauf-Symptome beeinflussen. Die Studie berichtete im Vergleich zwischen Interventions- und Kontrollgruppe statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen der untersuchten Symptomatik. Auch herzbezogene Ängste, Alltagsaktivitäten und die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden erfasst. Nach den Präsentation erfolgte die Verleihung der Marke D.O.® an die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen Manuel Linnenbrink, Jens Hilbert, Michaela Mariani und Anne Schorr.
- „Wirksamkeit einer die laufende Therapie (Usual Care) ergänzenden osteopathischen Behandlung auf die Beeinträchtigung der Lebensqualität bei Frauen mit primärer Dysmenorrhoe“
Die prospektive, multizentrische, randomisiert kontrollierte Studie schließt 146 Patientinnen mit ärztlich gesicherter primärer Dysmenorrhoe ein. Die Interventionsgruppe erhielt fünf individuelle osteopathische Behandlungen zusätzlich zur üblichen Versorgung. Als primärer Zielparameter wurde die Beeinträchtigung der Lebensqualität untersucht. Die Ergebnisse zeigten laut Studienauswertung signifikante Verbesserungen der Lebensqualität; auch Schmerzintensität, Schmerzdauer und Intensität der Regelblutung verbesserten sich. Miriam Keitel, Nadine Freyer, Kristine Dzikus, Sandra Vehling, Katharina Dziurdzia und Kristina Pabst erhielten für diese Studie ebenfalls die Marke D.O.®.
Die Präsentationen machten deutlich, wie viel Arbeit, Zeit und wissenschaftliches Engagement hinter solchen Forschungsprojekten stehen – und wie wichtig der wissenschaftliche Diskurs für die weitere Entwicklung der Osteopathie ist. Mit der Verleihung der Marke D.O.® wird die erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit und Verteidigung der jeweiligen Thesenarbeit gewürdigt. Der VOD vergibt die Marke an Mitglieder, die ihre wissenschaftliche Arbeit an der Akademie für Osteopathie erfolgreich verteidigt haben.
Ein Tag, der gezeigt hat, wie vielfältig Osteopathie ist
Geschichte und Wissenschaft liegen dabei näher beieinander, als es zunächst scheint. Wer verstehen will, woher osteopathische Vorstellungen kommen, muss ihre Entwicklung und ihre prägenden Persönlichkeiten kennen. Wer die Osteopathie weiterentwickeln will, braucht zugleich Forschung, wissenschaftliche Auseinandersetzung und den offenen Blick auf neue Erkenntnisse.
Der 19. September in Wiesbaden hat beides zusammengebracht – und bei den teilnehmenden Osteopathinnen und Osteopathen für viel Begeisterung gesorgt.
Gefeiert wurden die neuen D.O.®-Trägerinnen und -Träger anschließend bei kalten Getränken und Fingerfood – mit vielen persönlichen Gesprächen und einem gebührenden Abschluss für einen besonderen Tag in der Osteopathie.








































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